Umliegendes - Von der stattlichen Lütsche ist nur noch eine Pfütze übrig

Frankenhain (Ilm-Kreis). Experten begutachten in den kommenden Tagen die Staumauer und führen Instandhaltungsarbeiten an Notverschlüssen durch.

Ein Foto vom Lütschestausee bei Frankenhain hat am Dienstag Uwe Fritsch aus Plaue geschossen. Er war schon oft hier, denn in wenigen Tagen ist das Wasser komplett abgelassen. Foto: Hans-Peter Stadermann

Ein eisiger Wind pfeift über die Staumauer der Lütsche und treibt Schneeflocken vor sich her. „Kommen Sie, wir gehen ins Warme“, sagt Hans-Dieter Linz und lacht. Der Betriebsleiter der Thüringer Fernwasserversorgung schließt eine unscheinbare Tür in der Staumauer auf und führt seine Gäste in einen langen, schmalen Gang.

Acht Grad herrschen hier, Kondenswasser tropft von den Wänden. Normalerweise wären die Gäste hier gerade einmal knapp zwei Meter vom angestauten Wasser in der Lütsche getrennt. Doch das riesige Becken ist so gut wie leer. Nur noch 16 000 Kubikmeter Wasser bedecken den Grund. „Der aktuelle Füllstand liegt bei 3,20 Meter“, weiß Staumeister Jan Gleichmann. Ist die Lütsche voll, steht das Wasser 22 Meter hoch. Über eine Million Kubikmeter Wasser hält die massive Betonmauer, die vor fast 80 Jahren errichtet wurde, dann zurück.

Am Wochenende fließt das letzte Wasser ab

„Nach so einer langen Zeit muss freilich mal wieder etwas an der Anlage gemacht werden“, sagt Hans-Dieter Linz. Und das sei auch der Grund, warum die Lütsche seit einigen Wochen leer läuft. Denn nur im wasserfreien Zustand lässt sich die komplette Staumauer begutachten. Nicht nur auf Sicht prüfen Experten das Bauwerk.

 

Vor einigen Monaten wurden bereits Bohrkerne entnommen, die nun in einem Labor analysiert werden. Hier werden unterschiedliche Temperaturen, Drücke, Feuchtigkeiten simuliert, um eine sichere Prognose treffen zu können, wie lange die Staumauer noch hält. Gefahr besteht aber nicht, sagt Hans-Dieter Linz schmunzelnd. „Die Staumauer ist standsicher.“ Klar ist aber: Die Mauerkrone muss mal wieder erneuert werden. Hier bröckelt es schon an den Rändern. Letztmals wurde die Mauerkrone 1984 erneuert. Dass sie nun wieder „fällig“ ist, sei völlig normal. Die große Instandsetzung erfolgt wahrscheinlich aber erst im Jahr 2019. Die Lütsche wird nur wenige Tage leer bleiben. Zeit genug, um Instandhaltungsarbeiten an den Notverschlüssen durchführen zu können und das Staubecken zu überfliegen. Mit speziellen Aufnahmen wird dann ermittelt, wie groß der Stauraum inzwischen ist. Er wird um einiges geschrumpft sein, prognostiziert Jan Gleichmann. Denn über die Jahrzehnte haben sich viele Sedimente abgelagert. Schon Mitte Dezember wird das Becken dann wieder angestaut. Wird es ein feuchter oder schneereicher Winter, ist bereits im Frühjahr vom Ablassen nichts mehr zu sehen. Ehe es jedoch so weit ist, liegt vor dem Angelsportverein Frankenhain noch jede Menge Arbeit. In den vergangenen Wochen verbrachte Vereinschef André Zorn mit seinen Mitgliedern fast jede freie Minute am Stausee. Regelmäßig begingen sie die Ufer, um auszuschließen, dass geschützte Arten plötzlich auf dem Trockenen liegen. Das war zum Glück nicht der Fall. Dafür kam aber viel Kurioses zum Vorschein. Ein Wegweiser, der mitten im See steht, ein gesunkenes Boot. Und eine Flasche Goldkrone, die über Jahrzehnte im Schlamm ruhte. „Sie war wohltemperiert. Der Schnaps hat nicht nur noch nach Goldkrone gerochen, sondern auch noch so geschmeckt“, sagt André Zorn lachend. Die Herkulesaufgabe müssen die Angler, die von vielen befreundeten Vereinen unterstützt werden, aber am Wochenende meistern. Dann läuft die Lütsche komplett leer. Am Fuße der Staumauer ist ein Auffangbecken, in dem sich der Fischbesatz des Stausees sammeln wird. Mit geballter Manneskraft wird abgefischt. Räuber wie Hecht oder Barsche landen wohl in der Pfanne. Die Naturschützer möchten zudem, dass Regenbogenforellen und Bachsaiblinge entnommen werden, die eigentlich nicht in die Lütsche gehören. Bachforellen und Zander hältern die Angler selber. Karpfen, Plötze und Schleie werden in neuen Gewässern angesiedelt. Ziel ist es, im kommenden Jahr für einen neuen Besatz der Lütsche zu sorgen. Denn der Stausee gilt nicht nur bei Erholungssuchenden, sondern auch bei Anglern als ein wahres Paradies. Und daran sollen auch alle paar Jahre notwendige Sanierungsarbeiten nichts ändern.

 

Berit Richter / 25.11.15 / TA
- 25.11.2015 15:11:00